SSW 24+3 statt 40

Wem das nichts sagt, der hat entweder wie ich bislang nur in Monaten mitgerechnet oder aber noch keinen Kontakt mit dem Thema Schwangerschaft gehabt.

Für mich ist es das insgesamt vierte Mal, für Sie das zweite Mal – aber für beide von uns ist es dieses Mal so total anders als es bei unserer ersten Schwangerschaft gewesen ist.

Von jetzt auf gleich erfährt dass, was normal rund 40 Wochen dauern kann, dermaßen an Beschleunigung, das es auf uns wie ein Film wirkt, der an einem vorbei rast.

War am Donnerstag die Welt noch in Ordnung und außer ein paar vermeidlich normalen Schwangerschaftsbeschwerden, in Form unangenehmer Schmerzen unterhalb der Rippen und Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich nichts ungewöhnlich, so änderte sich das am Freitag während des Besuchs der Frauenärztin. Ende des Besuches war die Telefonische Vereinbarung eines Termins im Krankenhaus!

Noch ohne großartige Gedanken an schlimmeres, ging es zur Untersuchung in das Diakonie Krankenhaus wie von der Frauenärztin gewünscht.

Dort kam dann das unerwartete, medizinisch „Plazentainsuffizienz“, einfach gesagt
„das ungeborene Kind wird unzureichend versorgt“.
Im schlimmsten Fall kann das für beide lebensbedrohlich werden.

Und plötzlich fehlen uns 15-16 Wochen

 

Und plötzlich sitzen wir da und Ärzte erklären uns, das sie uns dringen nahelegen, das ungeborene so schnell als möglich zu entbinden um einerseits die Mutter zu schützen und andererseits dem Kind eine Chance zu geben, zu überleben!

Denn wenn das Kind im Mutterleib verbleibt, muss mit allergrößter Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, das erstens das Kind aufgrund der mangelnden Versorgung versterben kann in den nächsten Tagen – und – das zweitens die Mutter aufgrund ihrer Blutdruckwerte und der erhöhten Ausscheidung von Eiweiß über das Urin Gefahr läuft, schwere gesundheitliche Schäden davon zu tragen.

Wir sind nun in der glücklichen Situation, das wir uns alles in Ruhe anhören können (konnten), was die Ärzte, Hebammen und Schwestern zu diesem Thema sagen und raten können  – somit auch in der Lage in Ruhe über alles nachzudenken und zu reden und die nach unserem Empfinden „RICHTIGE“ Entscheidung zu treffen.

Da nach halbwegs nüchterner Betrachtung nur die Entbindung eine halbwegs realistische Chance auf Erfolg verspricht, haben wir uns zusammen mit den Ärzten für diesen Weg entschieden und haben Freitag Abend begonnen, diesen Weg zu beschreiten, der nach Aussage vieler „kein gerader Weg“ sein wird.

Die werdende Mama bekam am Freitag und gestern jeweils eine Injektion mit einem Kortison, dass den Reifungsprozess der Lunge des ungeborenen in Schwung bringen soll. Also der Lunge helfen soll, sich auf die bevorstehende Atmung vorzubereiten.

Die Werte von Mutter und Kind werden nun regelmäßig in einem CTG erfasst und das Pflegepersonal kümmert sich sehr liebevoll und geduldig um sie (und auch um mich als werdenden Papa).

Dafür sind wir beide sehr dankbar, denn was einem alles durch den Kopf geht im Moment ist einfach unvorstellbar, wenn man nie selbst in einer vergleichbaren Situation gewesen ist.

Was geht einem so im Kopf herum?

Als Mann/Papa kann ich sagen, verdammt viel. In meiner Situation muss ich im Moment einfach nur funktionieren! Die ersten die Leiden, sind leider im Moment meine beiden „großen“ Jungs aus erster Ehe, die auf das Papa-Wochenende verzichten müssen. Das enttäuscht sie auf der einen Seite, der „große“ mit fast zwölf Jahren aber scheint auch ganz gut den Ernst der Lage zu verstehen und zeigt auch hinter der Enttäuschung über das ausgefallene Wochenende Verständnis. Da ich mit dem „Kleinen“ der am Donnerstag 9 wird, nicht gesprochen habe, kann ich nur hoffen, das er versteht warum das Wochenende ausfallen muss.

Dann ist da als nächstes und mit am wichtigsten unsere Tochter, bald fünf Jahre alt. Sie hat sich so auf das Geschwisterchen gefreut und jetzt muss Mama ins Krankenhaus wegen dem Baby.

Sie denkt irgendwo, das Mama dann auch gleich nach Hause kommen wird mit dem Baby – jetzt erklärt das doch bitte einer knapp fünf Jahre alten kleinen Prinzessin!

Mama im Krankenhaus, Papa ganz viel und lange bei ihr, sie bei Oma/Opa, Tante, … Gott sei Dank haben wir direkt vor Ort eine tolle Familie die unsere „Kleine“ und somit auch uns auffängt und volle 100 Prozent geben, uns zu unterstützen – Vielen lieben Dank!

Was sehr schwer ist, sind Momente, in denen ich mit der kleinen Prinzessin alleine zu Hase bin, Mama nicht da und dann kommen fragen von der Kleinen oder aber auch ganz andere Dinge oder Situationen, in denen Du als Papa da stehst und für die Kleine stark sein musst, nicht weinen willst obwohl Dir danach ist.

Es ist schwer – vor allem schwer zu beschreiben, dieses Gefühl. Ein Wort trifft es „Angst“! Angst vor dem, was auf uns zu kommt! Angst, eventuell einfach nicht die mentale und körperliche Stärke zu haben, Angst einfach zusammen zu brechen!

Aber auch Angst einen oder beiden zu verlieren, sprich die Frau die Du liebst.

Aber auch Angst, die Mutter unserer gemeinsamen Tochter zu verlieren.

Aber auch Angst, das ungeborene zu verlieren.

Und was auch die Angst hervorbringt, die Angst unserer Kleinen etwas erklären zu müssen ist bei allen Ängsten vorhanden.

Wie geht es weiter?

Am heutigen Montag ab 10:00 Uhr wird es soweit sein. Die Vorbereitungen zum Kaiserschnitt beginnen. Mit in den Startlöchern werden auch die Kinderärzte und Schwestern der Intensivstation für Frühstgeborene (Perinatalzentrum Level 1) sein. Diese werden sich dann intensiv um das Neugeborene kümmern und alles notwendige tun, unserem Wurm dabei zu helfen, seine Chance auf Leben zu nutzen.

Die Mutter wird natürlich nicht vergessen und wird ebenfalls bestens medizinisch versorgt werden.

Nun heißt es für uns „Augen zu und durch“ – was auch passiert.

Und an die stärkste und tapferste Frau – die Frau an meiner Seite: 

Danke für Deine Stärke und Deine Liebe! Ich liebe Dich

Update folgt!

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